"kein besseres Werckh ... als zu Ochsenhausen"

Studientagung führte zu bedeutenden Stätten des süddeutschen Orgelbaus

Positiv gestimmt und negativ getestet starteten die 11 Teilnehmenden der diesjährigen Studienreise morgens früh aus Köln in Richtung Kempten.
Vom 3. bis 6. Juni 2021 führte die Tagung in die Welt des süddeutschen Orgelbaus mit beeindruckenden Kirchbauten, weltberühmten Orgeln und der für diese Instrumente charakteristischen Musik. Die Werke vor allem der Orgelbaumeister Gabler, Holzhey und Riepp waren das Ziel der Reise, die durch das Allgäu und die Region Oberschwaben ging.

Das Warten und Hoffen auf die Möglichkeit der Durchführung hatte sich gelohnt, und so konnte die Tagung aufgrund der sich gut darstellenden Infektionslage dennoch durchgeführt werden, natürlich unter Beachtung sämtlicher Abstands- und Hygienemaßnahmen und jeweils tagesaktuellen Testungen, um stets so sicher wie möglich unterwegs zu sein.

Das Ergebnis war eine viertägige Fahrt der Superlative, die in Bezug auf das Thema architektonisch und orgelbaulich kaum noch zu übertreffen war - eine willkommene und lang ersehnte Abwechslung vom kirchenmusikalischen Corona-Alltag des vergangenen Jahres.

 

Tag 1 - Kempten

Unmittelbar nach Ankunft wartete die erste Station - die Basilika St. Lorenz in Kempten. Die Stadt Kempten bildete jeweils Ausgangs- und Zielpunkt der Reise.
Mit gleich drei Orgeln (Hauptorgel Walcker 1866, Chororgeln Zeilhuber 1963) bot sich den Teilnehmenden die erste eindrucksvolle Kulisse. Obwohl die Orgelanlage in St. Lorenz derzeit sehr aufwändig saniert und teils neu gebaut wird, konnten dennoch zwei der drei Instrumente besichtigt, gehört und bespielt werden.

 

Tag 2 - Rot an der Rot und Ottobeuren

Der erste vollständige Tag wartete gleich mit zwei Instrumenten auf. Das ehemalige Prämonstratenserkloster Rot an der Rot beherbergt in seiner Kirche St. Verena eine Orgel von Johann Nepomuk Holzhey, die noch heute einen weitestgehenden ursprünglichen Pfeifenbestand aus der Bauzeit (1787-1793) besitzt. Auch die Spielanlage ist original erhalten, sodass in St. Verena der ursprüngliche und unverfälschte Klang Holzheys hörbar wurde.

 

Im Anschluss daran folgte der Höhepunkt des Tages - die reich ausgeschmückte und prächtige Basilika in Ottobeuren mit den bekannten Instrumenten von Karl Joseph Riepp (1766).
Die prachtvolle Basilika als "Haus Gottes und Himmels Porten", wie es über dem Hauptportal zu lesen ist, ist eine der schönsten Barockkirchen Süddeutschlands und überwältigt beim Eintritt durch ihre fast schon verschwenderische Ausgestaltung, die den Betrachter sprachlos zurücklässt. Die Orgelwerke fügen sich in dieses Bild harmonisch ein und bildeten somit ein einzigartiges Erlebnis für Auge und Ohr.

 

Tag 3 - Weingarten und Ravensburg

Auch der nächste Tag bot berühmte Beispiele süddeutscher Orgelbaukunst. An diesem Tag führte die Reise in die Region Oberschwaben nach Ravensburg und Weingarten.
Mit dem Namen Joseph Gabler verbindet man in der Regel sein monumentales und kunstreiches Orgelwerk in der Basilika St. Martin Weingarten, verbunden mit all den Mythen und Geschichten, die überliefert sind - man denke an die symbolträchtigen 6.666 Orgelpfeifen, die Gabler verbaut haben soll, über den "Geheimhebel", mit dem er das Orgelwerk unspielbar machte, um den Rest seines Lohnes zu erhalten, bis hin zur Sage um die Entstehung der "Vox humana".

 

Nach dem ausgiebigen Spielen und Erleben der Gabler-Orgel wartete die zweite Station des Tages - die Holzhey-Orgel in der Klosterkirche Ravensburg-Weißenau, die mit ihrer klaren und kräftigen Tonsprache begeisterte. Auch hier konnte noch ein Großteil der Klanggestalt aus dem Jahr der Errichtung (1785) erlebbar werden.

 

Tag 4 - Ochsenhausen

Der vierte und letzte Tag sollte vor der langen Rückreise noch einmal im Zeichen Joseph Gablers stehen. Ochsenhausen war Gablers Heimat, und so ist es nicht verwunderlich, dass in der dortigen Klosterkirche ein weiteres großes Instrument des süddeutschen Meisters steht. Gemeinsam mit Weingarten sind diese beiden Orgeln die wesentlichen uns heute erhaltenen Werke Gablers.
Das Kloster in Ochsenhausen gilt als Vorzeigekloster der Oberschwäbischen Barockstraße und gleicht mit seiner monumentalen Fassade und seinen prächtigen Bauwerken einer regelrechten Festung. Gleich zwei Orgeln von historischem Rang befinden sich in der Klosterkirche St. Georg. Neben der Gabler-Orgel (1728-1734 erbaut) befindet sich ein kleineres Orgelwerk von Joseph Höß im Chorraum (1780).
Die große Gabler-Orgel beeindruckte einmal mehr mit ihrer opulenten Schönheit, dem Klangreichtum und vielen orgelbaulichen Details, die dieses Werk besonders machen.

 

Nach vier inhaltlich prall gefüllten Tagen ging es danach auf die Rückreise ins Rheinland. Es waren beeindruckende Tage mit imposanten Orten und den berühmtesten Instrumenten des süddeutschen Orgelbaus. Alle, die an der Tagung teilgenommen haben, kehrten zufrieden in den Alltag zurück. Die viertägige Auszeit nach vielen Monaten Einschränkung hat allen gut getan.

Wir bedanken uns bei allen ortsansässigen Kollegen, die uns "ihre" Orgel höchstpersönlich, mit viel Sachkenntnis, Humor und großem Engagement nahegebracht haben.

 

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Schon jetzt laden wir herzlich ein zur nächsten Studientagung, die in der Zeit vom 16. bis 19. Juni 2022 stattfinden wird.
Weitere Informationen hierzu folgen bald.